Verlag Renée von Schlick

John Henry Allen

 

Die chronischen Krankheiten. Die Miasmen.
Band 1

Vorwort von Dr. med. A. Gentner

Wir leben in einer Zeit, in der nicht nur die Zahl der Erkrankungen mit chronischem Verlauf ständig steigt, sondern in der auch die Bereitschaft und die Neigung zu Krankheiten sowohl akuter als auch chronischer Art zunimmt – z.B. die Allergien oder die Pilzerkrankungen. Die moderne Medizin hat zwar manche Krankheiten besiegen können, sie steht aber anderen fast ohne Mittel und mit dem Eingeständnis der Hilflosigkeit gegenüber. Neue Erkrankungen treten auf, die man vor Jahren noch nicht kannte oder die kaum Bedeutung hatten. Einflüsse ökologischer, sozialer und psychischer Art haben die Neigung zu Erkrankungen aufgerührt. Auch unsere modernen medizinischen Maßnahmen haben die Krankheitsbereitschaft beeinflußt und ein Potential im Organismus angefacht und aktiv werden lassen, das wir mit der Lehre von den Miasmen verstehen und erklären können. Die Vielzahl von bekannten und von erst in neuerer Zeit aufgetretenen Erkrankungen erscheint wie eine tausendköpfige Hydra: ist eine Krankheit mit moderner Medizin besiegt worden, so taucht eine andere je nach individueller Konstitution auf. Hahnemann hat uns mit der Lehre von den Miasmen und der Psora einen Schlüssel zum Verständnis der Konstitution gegeben. Von den Nachfolgern Hahnemanns, die sich am intensivsten mit der Miasmenlehre beschäftigt haben, ist J. H. Allen der bedeutendste. Als homöopathischer Arzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten begann er in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts mit dem Studium der Miasmen. Er hat die Miasmenlehre Hahnemanns vertieft und erweitert, indem er die Natur und Wirkung der Miasmen, deren Zusammenspiel untereinander und die Auswirkungen ihrer Unterdrückung erkannt und formuliert hat. In den letzten Jahren des Lebens hat er dann seine Erfahrungen und Erkenntnisse niedergeschrieben: jeweils ein Band über Psora und über Sykose; den dritten Band über Syphilis hat er vor seinem Tod nicht mehr beginnen können, jedoch schreibt er auch über dieses dritte Miasma ausführlich im Zusammenhang mit Psora und Sykose. Die Pseudo-Psora als weiteres Miasma wird zusammen mit der Psora erklärt und ausgeführt. J. H. Allens Analysen und Darstellung der Miasmen als Krankheitsdispositionen mit vielen praktischen und konkreten Beispielen sind unverzichtbar für das Verständnis der großen Bedeutung der Miasmen, die gerade in den letzten Jahren als Thema in der Homöopathie viele Diskussionen ausgelöst haben. Daher sind wir Frau Renée von Schlick, die seit über 25 Jahren nach der Klassischen Homöopathie behandelt, zu großem Dank verpflichtet, daß sie das Werk J. H. Allens zum ersten Mal ins Deutsche übertragen hat. Sie brachte insbesondere dafür viel Zeit, Sorgfalt und Hingabe auf, daß diese deutsche Ausgabe auch von interessierten Patienten gelesen und verstanden werden kann. Zudem hat die Übersetzerin einen lexikalischen Anhang beigefügt und zahlreiche Fußnoten zur Erläuterung von Begriffen und Zusammenhängen angebracht. Dadurch können auch medizinische Laien erfahren und verstehen, worum es bei der homöopathischen und miasmatischen Behandlung geht und was Krankheit, Konstitution und Heilung in der Homöopathie wirklich bedeuten. So ist ein Buch entstanden, welches dem tieferen Verständnis der Homöopathie und ihrer Verbreitung in der Bevölkerung dient.

Für mich ist das Buch besonders wichtig geworden, weil es mir deutlich gemacht und gezeigt hat, daß schon im Säuglings- und Kleinkindesalter die Bereitschaft und Neigung zu Erkrankungen – die Miasmen – erkannt und behandelt werden müssen. Gerade im Lebensabschnitt vor der Pubertät kann durch falsche Maßnahmen der Beginn für später folgende Erkrankungen gelegt werden. Da sich uns die Miasmen bereits in Kindheit und Jugend in Form jeder noch so banalen Erkrankung zeigen, ist dies ein besonders günstiger Zeitpunkt, um die Miasmen schon in den allerersten Anzeichen zu erkennen, sie durch entsprechend antimiasmatische Behandlung zu beseitigen und dadurch weiteren schwereren Erkrankungen vorzubeugen. Außerdem wird die Selbstregulationsfähigkeit des Organismus um so besser erhalten oder wiederhergestellt, wenn die antimiasmatische Behandlung möglichst frühzeitig einsetzt. Die vielfältigen Belastungen unserer Zeit können dann ohne jegliche krankmachende Auswirkungen bleiben.

Möge so jeder Leser aus dem Buch – trotz des historischen Abstandes – für sich seine eigenen Schlußfolgerungen und Erkenntnisse ziehen. Eine Bereicherung und Vertiefung der Homöopathie und der Miasmenlehre bietet diese gelungene Übersetzung von J. H. Allens Werk in jedem Fall.

Dr. med. A. Gentner

 

 

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